Musik und Freu(n)de – feierliche Orgelweihe in Lehrte

(31.10.2010) Lehrte. Unter dem Motto „Musik und Freu(n)de“ feierte die Gemeinde Lehrte am letzten Wochenende im Oktober 2010 zwei besondere Ereignisse.

In den zurückliegenden drei Monaten waren am Kirchengebäude bauliche Veränderungen erfolgt. Am Samstag, dem 30. Oktober 2010, wurde die neue Pfeifenorgel den rund 170 Teilnehmern in einem Konzert vorgestellt. Nachdem sie bereits Anfang Oktober anlässlich einer Hochzeit und zum Erntedankgottesdienst erklungen war, sollte sie nun nach Erprobung durch die Organisten in einem besonderen Festakt geweiht werden. Das zweite Ereignis fand am darauf folgenden Sonntag, am 31. Oktober 2010 statt: ein Gottesdienst mit Freunden und Gästen.

Das Konzert war ein Streifzug durch fast 300 Jahre Orgelmusik. Da ein Orgelkonzert ohne Werke von Johann Sebastian Bach nicht vorstellbar ist, erklangen zunächst, vorgetragen von den Organisten Marko Lohse und Martin Lütge, Werke aus „Acht kleine Präludien und Fugen“, die früher Johann Sebastian Bach zugeschrieben wurden, höchstwahrscheinlich aber Kompositionen seiner Schüler sind. Anschließend spielte Julian Wolf von Bach das Präludium in G-Dur.

Mit Angelika Wolf an der Orgel wurde der Choral „Großer Gott, wir loben dich“ zusammen mit dem Gemeindechor und allen Anwesenden musiziert. Es war in der besonders majestätischen Klanggestaltung ein Erlebnis für alle.

Franz Liszt komponierte vor 127 Jahren den Choral „Nun danket alle Gott“ für eine Orgeleinweihung im Dom zu Riga. Zu dem ca. 8 Minuten dauernden Werk sagte er: „Es hat mich eine Woche Arbeit gekostet“. Dirigent Martin Lütge, der durch das Programm führte, stellte dazu eine Parallele auf: „“Es ist wie bei einem guten Essen: Die Vorbereitungszeit steht in keinem Verhältnis zu der Zeit, in der man das Essen verspeist“ und wünschte allen Anwesenden „guten Appetit“. Organist Marko Lohse verwöhnte mit diesem Stück den „musikalischen Gaumen“ der Zuhörer.

Die nächsten beiden Stücke wurden der „Suite gothique pour Grand Orgue op. 25“ des Komponisten Léon Boëllmann entnommen. Marko Lohse spielte den zweiten Satz, das „Menuet gothique“, eine kuriose Mischung aus kirchlich-liturgischer Strenge und der Eleganz des 18. Jahrhunderts: Es beginnt mit einem Menuett in C-Dur, das im laufenden Satz durch den Gebrauch von erniedrigten Septimen in den Harmonien immer stärkere modale Züge annimmt. Der kontrastierende mittlere Abschnitt entwickelt sich mit einem munter aufsteigenden Motiv aus gebrochenen Akkorden durch eine Vielzahl von neuen Tonarten und bringt einige kurze Reminiszenzen an den Anfang des Menuetts hervor, bevor eine Reprise des ersten Teils den Satz abrundet. Der dritte Satz, „Prière à Notre Dame“ (frz. Prière = Gebet), wurde von Angelika Wolf vorgetragen. Eine wiederkehrende gewundene Melodie der gedackten Register verbreitete eine andächtige Atmosphäre. Dieses Stück war  sicherlich nicht das letzte Mal an der Orgel zu hören, da es sich auch sehr für den Gebrauch in einem Gottesdienst eignet.

Das musikalische Programm wurde unterbrochen durch eine DVD-Präsentation des Orgelbauers Roland Martschei. Die Präsentation gab einen kleinen Einblick in die Planungs- und Umsetzungsphase der Arbeiten des Orgelbauers.

Im Folgenden standen zeitgenössische Stücke im Programm. Zunächst folgte eine Volksweise aus Brasilien „Cantai ao Senhor“ (Ich singe dir mein Lied). Vorgetragen wurde das Stück vom Chor, der von Julian Wolf an der Orgel begleitet wurde. Danach spielte Julian Wolf aus dem Jazz-Orgelbüchlein von Johannes Matthias Michel die Stücke „Go, tell it on the mountains“ und „Solang es Menschen gibt auf Erden“. Hierbei wurde er zum Registrieren von René Lütge gekonnt unterstützt. Dieser Programmpunkt war damit ein wunderbar kurzweiliger, keinesfalls anspruchsloser, im besten Sinne unterhaltsamer Ritt durch die - viel zu selten erschöpfend genutzten - Klangmöglichkeiten der Orgel, abseits von Bach & Co.

Der Schlusspunkt des Konzertes wurde mit dem feierlichen „Weihegesang“ von Albert Becker „Einen anderen Grund kann niemand legen“ gesetzt. Im zunächst langsamen Tempo, teilweise einstimmig zu ernsten Mollklängen der Orgel, wurde die unumstößliche Wahrheit verkündet: „Einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist: Jesus Christus.“ In den letzten vierzehn Takten vollzog sich schließlich der Wandel vom d-Moll zum strahlenden D-Dur im Text: „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe in Ewigkeit. Amen.“

Gemeindevorsteher Dirk Müller dankte allen Mitwirkenden des Abends und dem Orgelbauer Roland Martschei für ihren Einsatz, der der Gemeinde Lehrte einen unvergesslichen Abend bereitet hatte.

M.L. / Fotos R.L.

Der Spieltisch

Angelika und Julian Wolf

Vorsteher und Hirte Dirk Müller

Moderator Martin Lütge

Organisten und Orgelbauer

Zuhörer des Konzertes

online seit 10.11.2010
Kategorien: Musikalische Aktivitäten, Gemeindeleben

Dateien:
fileadmin/redaktion/bezirk-hannover-west/2010/Orgeleinweihung_Lehrte/Festschrift zur Orgeleinweihung.pdf728 K

Weiterempfehlen

 
in nacworld